Berufsschule für
Rechts- und Verwaltungsberufe

Gelebte Inklusion an unserer Berufsschule

Dem Thema Inklusion in Schulen begegnet man in der Tagespresse fast täglich und auch die Publikationen dazu häufen sich. Der Gedanke der Inklusion ist an unserer Berufsschule jedoch schon älter als der Begriff Inklusion selbst und bevor das Thema – dankenswerter Weise – diesen Stellenwert im Bildungswesen bekam. Als ich 2003 von meiner Vorgängerin, Frau Bogner, die Schulleitung übernahm, gab es schon damals immer wieder Schülerinnen und Schüler in unseren vier Ausbildungsberufen mit „Handicaps“. Wann das erste Mal Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung an unsere Schule gekommen sind lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Für uns und unsere Lehrkräfte wird Inklusion gelebt. Wie sieht dies im Schulalltag aus?

  • Sehbehinderte sitzen in der ersten Tischreihe und erhalten auf Wunsch die Arbeitsblätter und sonstigen gedruckten Texte im DIN A3 Format. Das Referat für Bildung und Sport kaufte in einem Fall auch einen übergroßen Monitor für das Fach Textverarbeitung.
  • Blinde Schülerinnen und Schüler unterstützen wir mit unseren Möglichkeiten.
  • Bei Hörgeschädigten benutzen die Lehrkräfte auf Wunsch ein Mikrofon und bemühen sich so deutlich zu sprechen, damit den Schülerinnen und Schülern das Lesen von den Lippen erleichtert wird.
  • WennGehörlose unsere Berufsschule besuchen, ist im Unterricht zeitweise ein Gebärdendolmetscher anwesend, wenn dies von den Schülerinnen und Schülern organisiert wird.
  • Da unser Schulgebäude nahezu barrierefrei ist, können Rollstuhlfahrer mühelos am Schulalltag teilnehmen. Im Unterricht kann ein höhenverstellbarer Tisch das Arbeiten erleichtern, damit der Rollstuhl unter die Tischplatte gefahren werden kann.
  • Bei Schülerinnen und Schülern mit psychischen Auffälligkeiten (z.B. Autisten) entstehen große sozialpsychologische Herausforderungen. - fordert Geduld und Empathie durch Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler - Bereitschaft für Gespräche und Diskussionen - Bemühungen der Integration in die Klassengemeinschaft.
  • Ebenso groß sind die Herausforderungen, wenn bei Schülerinnen und Schülern epileptische Anfälle auftreten. Nicht immer wird die Schule davon vorab unterrichtet, um sich darauf einstellen zu können.
  • Häufig steht auch die Frage über die Gewährung eines Nachteilsausgleichs im Vordergrund. Schüler mit einer Beeinträchtigung in der Motorik oder einer anderweitigen fachärztlich belegten körperlichen Einschränkung können unter Umständen eine Zeitverlängerung bei der Durchführung ihrer Leistungsnachweise erhalten. Direkte Ansprechpartnerin an der Berufsschule ist hierfür zunächst die Schulpsychologin, welche dann Kontakt zum zuständigen mobilen sonderpädagogischen Dienst aufnehmen kann.

Wie gehen die Mitschülerinnen und Mitschüler mit dem Thema Inklusion im Unterricht um?

Da sie auch im Berufsalltag ggf. zusammen mit Menschen arbeiten, die eine Behinderung aufweisen, wird hier an der Schule das Zusammenleben „geübt“. Das bedeutet einerseits Empathie, Verständnis und Toleranz, andererseits aber auch Diskussionen, wenn manche Erwartungen von den jeweiligen Seiten nicht erfüllt werden können.

Was bedeutet Inklusion für Lehrkräfte und Verwaltungspersonal?

Insgesamt verspüre ich große Hilfsbereitschaft von unseren Beschäftigten, um die o.g. Herausforderungen zu meistern. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, wie z.B. das Lagern von Medikamenten im Kühlschrank der Verwaltung, die aber für den Betroffenen sehr wichtig sein können. Es fordert eine Toleranz, wenn z.B. zeitweise ein Gebärdendolmetscher im Unterricht sitzt, den man bisher noch nicht gekannt hat. Es erfordert auch die Bereitschaft, bei Konflikten das Thema anzusprechen, mit den Betroffenen auszudiskutieren und nach Lösungen zu suchen. Geduld ist daher von allen Betroffenen nötig. Durch die Kooperation mit den Ausbildungsbetrieben (Kanzleien, Notariaten, Ämtern) können manche unterstützenden Informationen eingeholt und Unklarheiten beseitigt werden. Allerdings gibt es auch Verunsicherungen, wie z.B. in besonderen Situationen zu handeln ist. Der plötzliche epileptische Anfall in einer Unterrichtsstunde ist eine Herausforderung für die Lehrkraft, um Hilfe organisieren und die restliche Klasse betreuen zu können. Oder auch der Umgang mit Autisten in einer Klasse mit durchschnittlich 25 Schülerinnen und Schülern fordert die Berufsschullehrkräfte, die in ihrer Ausbildung auf diese Themen nicht vorbereitet wurden. Da wäre eine bessere Unterstützung von außen manchmal wünschenswert gewesen. Dankenswerter Weise kann unsere Schulpsychologin, Frau Zobel, die seit einem Jahr ihre Ausbildung beendet hat, jetzt diese Unterstützungsarbeit übernehmen.

Wenn auch der Begriff „Inklusion“ früher an unserer Berufsschule unbekannt war, machten uns die Diskussionen zu diesem Thema in den Medien bewusst, welche jahrzehntelangen Leistungen von unserer Bildungseinrichtung bisher schon erbracht wurden.

 

Dr. Thomas Roth


Einen Videobeitrag zu Inklusion, in dem auch Herr StD Dillis über die Erfahrungen an unserer Berufsschule berichtet, finden Sie hier.

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